Archive für September 2009

Handy mit Touchscreen, fremde Sprachen, der DVD-Player, der alles kann? Alles neu – na und?


So viel verändert sich, und in einer so rasenden Geschwindigkeit, dass man sich leicht mal überfordert fühlen kann. Aber hier sollte einem nicht Angst und Bange werden , in keinem Alter! Das Gedächtnis muss trainiert werden. Wer sich Neuem öffnet, kann nur profitieren, sowohl geistig als auch körperlich. Lernen kann man sein Leben lang. Dank der gestiegenen Lebenserwartung, hat der heutige Ruheständler noch 20 bis 30 Jahre vor sich – viel Zeit, die genutzt werden will.

Viele machen es schon richtig: Mittlerweile begrüßen wir im Internet mehr ältere Menschen, als 14-19jährige. Das ergab die ARD-ZDF-Onlinestudie von 2007. An rund 50 Universitäten in Deutschland gibt es bereits Gasthörerangebote, speziell für ältere Erwachsene – das Lernen hört nie auf. Man wird nicht alt! Es beginnt nur der dritte Lebensabschnitt, der wohl mehr Zeit bietet, Neues anzupacken, als die Zeit davor.

Es gibt nur einen Fehler, den man machen kann: sich seinem Trott hingeben. Der innere Schweinehund will überwunden werden, und das in jedem Alter. Wer sein Gehirn nicht trainiert und unaufmerksam durchs Leben geht, kann bereits ab 25 schwindende Gehirnzellen beobachten. Wer jedoch auch im Alter fit bleibt, kann auch mit über 60 die gleiche Gehirnleistung haben, wie die Jüngeren. Derjenige, der im Alter stets sein Gedächtnis trainiert, kann noch so viel Neues lernen. Da ist dann auch das neue Handy, der DVD-Player oder eine neue Sprache kein Problem mehr.

 

Demenz und Abenteuerlust

Als Demenzkranker in unserer heutigen Gesellschaft hat man es nicht leicht, in Deutschland aber auch anderen Ländern. Selbstständig will man sein, sein eigener Herr, und irgendwann geht das einfach nicht mehr. Was dann? Mit Glück zur geliebten Familie ziehen, doch irgendwann ist der Punkt erreicht, wo es auch den engsten Angehörigen schwer fallen kann, die Pflege weiter zu führen. Eine Haushaltshilfe oder Betreuung ist legal oft viel zu teuer, aber gegen ein Heim in Deutschland sträuben sich wohl viele, nicht zuletzt aufgrund der Betreuung. Einen zufriedenstellenden Ruf haben nicht viele dieser Einrichtungen in Deutschland, viel zu oft hört man von zu wenig Personal und sieht im engsten Umkreis, wie des öfteren Beruhigungsmittel verabreicht werden, weil niemand so richtig Zeit hat, sich mit dem Kranken auseinander zu setzen. Schaut man sich diese Institutionen an, sieht der Besucher oft eher traurige Gesichter, als fröhliche, eher verstörrte Blicke der Demenzerkrankten, als zufriedene.

Dem Schweizer Martin Woodtli ging es wohl ähnlich, als seine Mutter an Alzheimer erkrankte und er seine ganz eigene Lösung für diese Situation finden musste. So kam es, dass sie beide auswanderten, nach Nordthailand, wo Woodtli eine Wohnanlage gründete. Am Rand der Großstadt Chiang Mai liegt der Ort, an dem jeweils drei Pflegerinnen im Schichtdienst einen demenzkranken Gast pflegen. War es zu Beginn nur seine Mutter, die mittlerweile verstorben ist, so leben heute 10 Deutsche in der familiären Anlage. Die Angestellten seien geduldig, Beruhigungsmittel bekäme man hier nicht, dafür Zuneigung, individuelle Betreuung und die Möglichkeit, noch so manches Abenteuer zu erleben. Sei es der Einkauf auf dem Markt, oder auch das Besuchen eines Elefantenhauses oder Tempels. In Thailand gehörten sie zur Gesellschaft. Die Menschen um sie herum akzeptieren und respektieren sie, und sie lachen mit ihnen. Hier werde niemand schief angeguckt, weil er sich anders verhält, vielleicht die Serviette im Lokal anbeißt. Ist das in Deutschland auch so? Vielleicht kommt die Frage auf, ob es für die Alten gut sei, so entwurzelt zu werden, doch in Deutschland sei der hier gebotene Komfort doch schwer zu bekommen.  (Und über den Curryreis hat sich bislang wohl noch niemand beschwert.) Demenzkranke haben oftmals keinen großen Bezug zu Orten. Eine der Kranken in Chiang Mai habe man gefragt, wie es ihr in Thailand gefalle. Darauf ihre ernste und verwirrte Antwort, dass sie dort noch nie gewesen sei. Die Demenzkranken scheinen glücklich in dieser fremden Stadt. Wäre es da wirklich besser, wenn ausländische Betreuerinnen nach Deutschland kämen, illegal und schlecht bezahlt hier lebten, weg von ihrer Familie, wie es derzeit ca. 100 000 Frauen aus Osteuropa tun? Hier in Woodtlis Anlage werden die Betreuerinnen ausreichend bezahlt, und ihre Schützlinge scheinen doch sehr zufrieden und glücklich zu sein, vielleicht aufgrund des ihnen gegenüber gebrachten Respekt.

An die 2000 Euro kostet diese Rundumverpflegung pro Monat, dies müssen die Familien selbst zahlen. Natürlich sind sie weit weg von ihren Liebsten, aber vielleicht sind die Demenzkranken dort so glücklich, dass die Entfernung eher eine untergeordnete Rolle spielt.

(Informationsquelle: chrismon, September 2009)

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